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Magister per Mausklick?
(28. November. 2002):
„Es mehren sich die Hinweise, daß ein kleiner, aber wachsender Teil der Studierenden Plagiate vorlegt“, so Professor Dr. Hartmut Schiedermair, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes. Ein Blick vor Ort.
Mehr als erstaunlich ist es, wenn ein Studierender, der bislang durch gerade einmal ausreichende Leistungen in Erscheinung getreten war, plötzlich eine phänomenale Seminararbeit vorlegt. Der im mündlichen Gespräch einfachste Sätze formuliert und in der schriftlichen Variante überraschend in der Lage ist, komplizierteste Sätze zu bilden und ein halbes Fremdwörterbuch eingearbeitet hat. Hier kommt der Verdacht auf, dass die eingereichte Arbeit nicht durch wissenschaftliches Vorgehen mit zahlreichen UB-Besuchen und Recherchen in Datenbanken, dem Durcharbeiten von Fachbüchern, dem mühsamen Erstellen eines Exposés und dem langwierigen Formulieren eines „runden“ Textes verbunden war, sondern durch ein einfaches „click & buy“ bei einem Anbieter, der fertige Referate und Arbeiten inklusive Benotung im Internet anbietet, entstanden ist.
Professorin Dr. Debora Weber-Wulff, Professorin für Medieninformatik an der Fachhochschule für Technik und Wissenschaft in Berlin, spricht in ihrem Artikel „Schummeln mit dem Internet? Praxistipps aus der Sicht einer Professorin“ davon, dass Schummeln Alltag sei: „Die Zeiten, wo Schummeleien mit Hilfe des Internets lediglich Einzelfälle waren, sind lange vorbei. Ich habe im Sommersemester 2001 bei einem Semester 34 Hausarbeiten gehabt. Inzwischen sind 12 Autoren `überführt` beziehungsweise haben ihre Tat gestanden, als es klar wurde, dass ich vorhatte, jede Arbeit zu überprüfen.“ Sie hat unter dem Link Plagiat eine Anleitung zum Aufdecken von Plagiaten veröffentlicht. Es lassen sich mit Hilfe von Suchmaschinen innerhalb weniger Minuten, im Höchstfall innerhalb von 24 Stunden Plagiate enttarnen.
„Seriöse Untersuchungen oder verlässliche Zahlen“ zum Problem der Plagiate „fehlen noch“, so die Angaben des Deutschen Hochschulverbandes. Claus Böhnlein vom Betriebswirtschaftlichen Institut der Uni Würzburg hat feststellen müssen, dass Plagiatsversuche am Lehrstuhl von Professor Thome „selten bei Diplomarbeiten, leider aber häufiger bei Seminararbeiten“ auftreten. Pro Semester werden dort rund einhundert Seminararbeiten und etwa dreissig Diplomarbeiten bearbeitet. Böhnlein weiter: „Plagiat-Suchmaschinen verwenden wir derzeit noch nicht. Der Nachweis von Plagiatsversuchen erfolgt bei einem Verdacht anhand von Recherchen in der einschlägigen Literatur und im Internet.“
Und welche Folgen haben Täuschungsversuche? „Bei einem nachgewiesenen Plagiatsversuch wird die Arbeit mit der Note 5.0“, so Böhnlein, „bewertet (nicht bestanden).“ Laut Prüfungsordnung für die Diplomstudiengänge BWL und VWL sind bei einer nicht bestandenen Leistung Wiederholungsmöglichkeiten vorgesehen. Bei einem gravierenden Täuschungsversuch bei Diplomarbeiten gilt dagegen gemäß § 32 Diplom-Prüfungsordnung vom 8.10.2001: `Bei besonders gravierenden Täuschungsversuchen kann der Prüfungsausschuss bisher erfolgreich abgelegte Prüfungsleistungen als nicht erfolgreich abgelegt erklären oder noch ausstehende Prüfungsleistungen als nicht erfolgreich abgelegt erklären.`
Die Prüfungsordnungen aller weiteren Studiengänge haben an der Universität Würzburg gleiche oder ähnlich formulierte Paragrafen. Sie können eingesehen werden unter www.zv.uni-wuerzburg.de/studium_lehre/allgemeines/inhalt.htm. Mehrere Prüfungsordnungen enthalten noch den Zusatz: „Vor der Entscheidung ist dem Kandidaten Gelegenheit zu einer Äußerung zu geben.“ Des weiteren kann auch folgender Fall eintreten, der unter anderem in der Diplom-Prüfungsordnung Erzeihungswissenschaften im Paragraf 9, Absatz 1 festgehalten wird: „Hat der Kandidat bei einer Prüfung getäuscht und wird diese Tatsache erst nach der Aushändigung des Zeugnisses bekannt, so kann der Prüfungs-ausschuss nachträglich die betroffenen Noten entsprechend berichtigen und die Prüfung ganz oder teilweise für nicht bestanden erklären.“
Während Studierende an amerikanischen Universitäten mit einer sofortigen Exmatrikulation rechnen müssen, spricht der Deutsche Hochschulverband davon, dass „Studierende, die nachgewiesenermaßen ein Plagiat als schriftliche Arbeit eingereicht haben“, mit nicht näher definierten „Sanktionen“ rechnen müssen.
Christian Rossa, Leiter des Würzburger Rechenzentrums, sagt, Texte ließen sich „praktisch kaum schützen“. Bilder hingegen seien durch Wasserzeichen vor unbefugtem Zugriff gesichert. Über den Benutzungsantrag verpflichte das Rechenzentrum seine Benutzer, das Urheberrecht zu beachten. Die „Richtlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und für den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten“ (Stand: 13.12.2000) an der Universität Würzburg können eingesehen werden unter Richtlinien
Georg Döller, Absolvent der Politikwissenschaften an der Würzburger Uni, hat in seiner Studienzeit keinen Fall von Fälschung erlebt. Die Fakultät sei klein, man kenne sich untereinander. Die Professoren lernen nach einigen bereits eingereichten Arbeiten den Schreib- und Formulierungsstil kennen; ihnen würde auffallen, wenn auf einmal umfassende Änderungen auftreten würden. Zudem erhalte man nicht ein Thema und liefere dieses nach Ablauf einer Frist komplett ab, sondern er habe sich immer wieder mit dem jeweiligen Professor zusammengesetzt und Zwischenarbeitsschritte besprochen. Täuschungsversuche seien „kein Diskussionsthema bei Studenten“. Klar, es wäre schön, wenn man einfach was Fertiges übernehmen könnte; aber es gäbe gar keine geeigneten Vorlagen. Katja Klein
(Autor: Katja Klein)
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